Vereinsanekdoten von Patentjägern aus dem Seeland
Aus den Jahren 1950-1985, gesammelt von Hermann Meyer

Geschichte 1

Drei markante Seelandjäger entschieden sich für die Jagd auf Edel- und Baummarder in einem alten Buchenwald im Raume Erlach. Ausgerüstet mit Pferdeschellen, Schwefelschnitten (früher als Hilfsmittel für die Schnapsbrennerei oft in Gebrauch) und der Dackelhündin wird zur Jagd geblasen.

Der Gruppenleiter gibt Anweisungen, wie der Jagdtrieb abläuft. H.F. aus Nidau geht mit geladener Flinte in Stellung. A.L aus Biel begibt sich mit dem Dackel zur genannten Buche. F.S.B. aus Siselen zündet die Schwefelschnitte an und schiebt diese beim Wurzelansatz der Baumhöhle ein.

Mit der Unterstützung von Schellengeläut und Schlagen mit Stöcken an den Baumstamm, springt der braun-gelb gefärbte Edelmarder zuoberst aus der Baumkrone aus seinem Versteck. Mit dem Feuer aus der 16er Flinte erhallt der Knall des schneebedeckten Winterwaldes. Der Baummarder fällt getroffen in den tief gefrorenen Schnee auf den Waldboden. Nach Behändigung der Beute spricht der erfolgreiche Jäger: «Dä Peuz bringt glati 180.- Franke i Sack.»


Geschichte 2

Zwei bekannte Seelandjäger aus dem unteren Seeland, waren auf Rebhuhn- und Wachtelpirsch im Grossen Moos. Kurz vor Eindämmerung trafen sich nur erfolreiche Jäger zur Ausdrunk in einem Restaurant, um die Beute zu präsentieren. Auf die Frage an die zwei auch erfolgreichen Jäger angesprochen, wo sie denn Beute gemacht haben, quittierte der eine mit erhobenem Hauptes: «Mmm, üsi Hüng, üsi Hüng, d’Jurassier hei der ganz Tag kanoniert u üsi Hüng hei üs aues brocht.»


Geschichte 3

Ende November, anfangs der 60er Jahre, treffen sich zwei verfeindete, erfahrene Hasenjäger während der Herbstjagd, bei einem gepflügten Feld. Der eine Jäger mit Begleitung, der andere alleine. Einer von den Jägern und ein dritter, ein Bauer mit Pferdegespann und Güllenfass, beobachtet die zu Feld gerückten Jäger.

Fast zeitgleich gehen 2 Hasen aus der Sasse. Mit einem Schuss aus der Flinte ruliert der getroffene Hase. Der zweite Hase wird mit einem Doppel beschossen und flüchtet schwer getroffen ins nahegelegene Zuckerrübenfeld. Der erste mit der Markierung des Hasen beschäftgt, (zu diesem Zeitpunkt waren pro Jäger 7 Hasenmarken zur Verfügung) quittierte der zweite Schütze mit vollem Organ: «Gang du Cheib, ha di nid breicht», lässt der fehlbare Schütze zu seinem Begleiter verlauten. Leise erwidert der Schütze nochmals zu seinem Begleiter: «Er liegt im Rübenfeld, da bin ich mir sicher, wir werden diesen heute Abend behändigen». Der erfolgreichste im Bunde war der Güllenbauer, welcher die Hasen genau beobachtete und nach Abzug der Jäger den Hasen behändigte und diesen in einem Strohsack auf das Güllenfass einpackte. Am Abend, bei genanntem Fixpunkt, konnte der fehlbare Jäger mit seinem Begleiter mit grossen Augen nur noch das leere Wundbett bestaunen.